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Digitale Bewässerungstechnik im Knoblauchsland

Wasserverband 4.0 startet in den Pilotbetrieb

Mit dem Pilotbetrieb 2026 beginnt für Wasserverband 4.0 der nächste Schritt in die praktische Umsetzung. Sechs landwirtschaftliche Betriebe erproben das Zusammenspiel aus digitaler Wassererfassung, Ventiltechnik, Funk und Software unter realen Bedingungen im Knoblauchsland.

Ziel ist es, die Technik nicht nur im Labor oder in einzelnen Versuchsanlagen zu bewerten, sondern dort, wo sie später täglich eingesetzt werden soll: direkt an den Entnahmestellen und auf den landwirtschaftlichen Flächen.

Von der Wasserentnahme zum vernetzten System

Herzstück von Wasserverband 4.0 ist die digitale Entnahmestelle. Vorhandene Wasserzähler werden mit steuerbarer Ventiltechnik und einer eigenen Steuereinheit verbunden und in das übergeordnete System des Wasserverbands eingebunden.

Dadurch können entnommene Wassermengen digital erfasst und Betriebszustände übertragen werden. Gleichzeitig können Steuerbefehle bis an die Entnahmestelle übermittelt werden.

Das Hauptventil übernimmt dabei die Wasserfreigabe. Die Steuereinheit verbindet Wasserzähler, Ventiltechnik und digitales System miteinander und verarbeitet die notwendigen Mess- und Steuerinformationen.

Landwirtschaftliche Betriebe können die Grundausstattung bei Bedarf um zusätzliche Unterventile erweitern. Dadurch lassen sich einzelne Beregnungsstränge oder Feldbereiche unabhängig voneinander ansteuern.

Schematische Darstellung der digitalen Bewässerungssteuerung mit Wasserzähler, Hauptventil, Steuereinheit und Unterventilen
Funktionsprinzip von Wasserverband 4.0: Wasserzähler, Hauptventil und Steuereinheit bilden die digitale Entnahmestelle. Zusätzliche Unterventile ermöglichen die getrennte Steuerung einzelner Beregnungsbereiche. Die Kommunikation erfolgt über das Funknetz mit dem zentralen System.

Mehr als nur ein digitaler Wasserzähler

Wasserverband 4.0 ist deshalb nicht lediglich ein System zur digitalen Zählerablesung. Die einzelnen Komponenten bilden gemeinsam die technische Grundlage für weitere Funktionen.

Dazu gehören unter anderem die Fernsteuerung von Wasserentnahmen nach Menge und Zeit, die manuelle Bedienung vor Ort, Benutzerverwaltung, automatische Geräteerkennung und Feldzuordnung sowie die Benachrichtigung bei definierten Ereignissen.

Auch Funktionen zur Leckageerkennung und automatischen Abschaltung, ein digitales Wassertagebuch und die Möglichkeit zum Datenexport sind Teil des modular aufgebauten Systems.

Die verschiedenen Funktionen sollen schrittweise unter Praxisbedingungen erprobt und weiterentwickelt werden.

Funkverbindung über das Knoblauchsland

Eine besondere Herausforderung ist die Kommunikation zwischen den zahlreichen, über eine große Fläche verteilten Entnahmestellen und dem zentralen System.

In einer ersten Entwicklungsphase wurde dafür LoRa beziehungsweise LoRaWAN eingesetzt und über rund zwei Jahre unter realen Bedingungen getestet. Dabei konnten wichtige Erfahrungen mit Reichweite, Funkabdeckung und Zuverlässigkeit gesammelt werden.

Nach dieser Erprobungsphase wurde die Funkstrategie nochmals bewertet. Heute setzt der Wasserverband auf mioty, eine vom Fraunhofer IIS entwickelte Funktechnologie für weitläufige IoT-Anwendungen mit vielen verteilten Teilnehmern.

Der Wasserverband steht dabei im Austausch mit dem Fraunhofer IIS. Erfahrungen und Anforderungen aus dem praktischen Einsatz im Knoblauchsland können direkt zurückgemeldet werden und helfen dabei, die Technik unter realen Bedingungen weiter zu erproben.

Entwicklung aus langjähriger Erfahrung

Die Digitalisierung der Bewässerung ist für den Wasserverband kein neues Thema. Bereits seit 2008 beteiligt sich der Verband gemeinsam mit Forschung, Landwirtschaft und Industrie an Projekten zur automatisierten und bedarfsgerechten Bewässerung.

In mehreren Forschungs- und Praxisprojekten wurden Funkübertragung, Bodenfeuchtemessung, Fernsteuerung, Softwarelösungen und Überwachungsfunktionen untersucht und weiterentwickelt.

Seit 2020 wird die Entwicklung verstärkt in eigener Initiative vorangetrieben. In den folgenden Jahren wurden Anforderungen definiert, technische Lösungen erprobt und gemeinsam mit verschiedenen Partnern Hard- und Software weiterentwickelt.

Mit der Förderung des Projekts „Wasserverband 4.0“ durch den Freistaat Bayern im Jahr 2025 wurde schließlich der Übergang von der Entwicklungsphase in die großflächige Umsetzung vorbereitet.

Sechs Betriebe testen das Gesamtsystem

Im Pilotbetrieb 2026 steht erstmals das Zusammenspiel des gesamten Systems im Mittelpunkt.

Sechs landwirtschaftliche Betriebe sammeln Erfahrungen mit der Technik im täglichen Beregnungsbetrieb. Dabei geht es nicht nur darum, ob einzelne Geräte technisch funktionieren.

Entscheidend ist, wie zuverlässig Wasserzähler, Ventile, Steuereinheiten, Funk und Software gemeinsam arbeiten und wie gut sich das System in die tatsächlichen Arbeitsabläufe der Betriebe integrieren lässt.

Auch Bedienbarkeit, Zuverlässigkeit und Wartungsaufwand spielen eine wichtige Rolle.

Rückmeldungen aus der landwirtschaftlichen Praxis und aus dem technischen Betrieb des Wasserverbands fließen deshalb unmittelbar in die weitere Ausgestaltung ein.

Schrittweiser Ausbau ab 2027

Nach Abschluss der Pilotphase soll Wasserverband 4.0 schrittweise auf das gesamte Verbandsgebiet ausgeweitet werden.

Langfristiges Ziel ist die digitale Anbindung von rund 1.300 Entnahmestellen im Knoblauchsland.

Der Ausbau erfolgt bewusst nicht auf einmal. Die schrittweise Umsetzung ermöglicht es, Erfahrungen aus den ersten Anlagen auch während des weiteren Rollouts zu berücksichtigen und technische Anpassungen in das Gesamtsystem zu übernehmen.

Grundlage für weitere Entwicklungen

Mit der digitalen Infrastruktur entsteht gleichzeitig die Basis für zukünftige Anwendungen.

Denkbar sind beispielsweise zusätzliche Bodensensoren, die Überwachung von Boden- und Pflanzenzuständen, modellbasierte Bewässerungspläne sowie weiterführende Datenanalysen.

Auch KI-gestützte Verfahren können künftig dabei helfen, größere Datenmengen auszuwerten und Zusammenhänge zwischen Bewässerung, Boden, Witterung und Pflanzenentwicklung sichtbar zu machen.

Dabei bleibt ein Grundsatz unverändert: Die Technik soll unterstützen, nicht entscheiden.

Messwerte, Modelle und Software können zusätzliche Informationen und Empfehlungen liefern. Die Entscheidung über die tatsächliche Bewässerung bleibt weiterhin beim landwirtschaftlichen Betrieb.