Wasserversorgung

Vom Fluss bis aufs Feld.

Uferfiltrat, Brunnen, Speicher, Pumpwerke und ein weit verzweigtes Leitungsnetz bilden ein abgestimmtes Versorgungssystem für Gemüsebau und Landwirtschaft im Knoblauchsland.

Der Weg des Wassers

Vier Stationen. Ein Versorgungssystem.

Die Wasserversorgung des Knoblauchslands folgt einem klaren Weg. Von der überregionalen Wasserbereitstellung über die Gewinnung und natürliche Filtration bis zur Speicherung und Verteilung greifen mehrere Stationen ineinander.

Schritt 1 · Donau-Main-Überleitung

Wasser über die Wasserscheide.

Das Wasserangebot ist in Bayern ungleich verteilt. Während das Donaugebiet vergleichsweise wasserreich ist, gehört das Regnitz-Main-Gebiet zu den trockeneren Regionen. Die Donau-Main-Überleitung schafft deshalb einen überregionalen Wasserausgleich.

Altmühl- und Donauwasser werden auf zwei voneinander unabhängigen Wegen über die Europäische Hauptwasserscheide nach Norden geleitet: über den Main-Donau-Kanal und den Rothsee sowie über Altmühlsee und Brombachsee. In Trockenzeiten wird das gespeicherte Wasser in das Regnitz-Main-Gebiet abgegeben und stabilisiert dort die Wasserführung von Rednitz, Regnitz und Main.

Zwei unabhängige Überleitungswege verbinden das Donaugebiet mit dem Regnitz-Main-Gebiet.
Hintergrund, Geschichte & heutige Bedeutung

Warum wurde die Überleitung notwendig?
Das Regnitz-Main-Gebiet ist von Natur aus deutlich trockener als das südliche Bayern. Gleichzeitig wird das verfügbare Wasser in Nordbayern durch die höhere Bevölkerungs- und Industriedichte stärker beansprucht. Am 16. Juli 1970 beschloss der Bayerische Landtag deshalb, einen überregionalen Wasserausgleich zwischen Donau- und Maingebiet zu schaffen. Neben der Stützung der fränkischen Flüsse sollte auch die Hochwassergefahr im mittleren Altmühltal verringert werden.

Ein Großprojekt über rund drei Jahrzehnte.
Für die Umsetzung wurde 1971 das Talsperren-Neubauamt Nürnberg gegründet. Neben den Stauseen mussten zahlreiche Wehre, Zuleitungen und technische Anlagen entstehen. Für die Brombachüberleitung wurde unter anderem ein fast drei Kilometer langer Stollen durch die Europäische Hauptwasserscheide gebaut. Die Kanalüberleitung ging 1994, die Brombachüberleitung 1999 in Betrieb. Ende 2000 waren die Gesamtanlagen fertiggestellt. Einschließlich Grunderwerb kostete das Überleitungssystem rund 450 Millionen Euro.

Zwei Wege ergänzen sich bis heute.
Über den Main-Donau-Kanal werden im langjährigen Mittel rund 125 Millionen Kubikmeter Altmühl- und Donauwasser pro Jahr in den Rothsee gefördert. Über Altmühlsee und Brombachsee kommen im Mittel weitere rund 25 Millionen Kubikmeter hinzu. Das gespeicherte Wasser wird bei Bedarf in Trockenzeiten an die unterhalb liegenden Flüsse abgegeben.

Wasserwirtschaft und Freizeit zugleich.
Rothsee und Brombachsee sind weiterhin aktive Bestandteile des Überleitungssystems. Gleichzeitig wurden die Seen zu einem wichtigen Naherholungs- und Urlaubsgebiet. Rund um die Seen stehen zahlreiche Wege für Fußgänger und Radfahrer zur Verfügung. Am Brombachsee gehören außerdem Schifffahrt und weitere Freizeitanlagen zum heutigen Erscheinungsbild; am Rothsee entstanden unter anderem die Seezentren Heuberg, Grashof und Birkach.

Heute wird das wasserwirtschaftliche System vom Wasserwirtschaftsamt Ansbach gesteuert und überwacht. Damit erfüllen die Seen weiterhin ihre ursprüngliche Aufgabe für den Wasserausgleich und sind zugleich ein prägender Bestandteil des Fränkischen Seenlands.

Schritt 2 · Brunnenfassung

Vom Wiesengrund ins Knoblauchsland.

Im Fürther Wiesengrund liegt die zentrale Brunnenfassung des Wasserverbands. Die Brunnengalerie im Bereich Kapellenruh gewinnt das Beregnungswasser in unmittelbarer Nähe zu den Flüssen und bildet den Ausgangspunkt für die Weiterleitung in das Knoblauchsland.

Die Brunnenanlage kann bis zu 600 Liter Wasser pro Sekunde fördern. Von Kapellenruh führt eine Hauptleitung mit 600 Millimetern Durchmesser quer durch das Verbandsgebiet zu den Speichern und weiteren Versorgungseinrichtungen.

Wassergewinnung im Fürther Wiesengrund und Weiterleitung in Richtung Knoblauchsland.
Brunnenfassung, Leistung & Weiterentwicklung

Warum liegt die Wassergewinnung im Wiesengrund?
Die Brunnen erschließen den quartären Grundwasserleiter im Talraum von Rednitz und Pegnitz. Durch die Lage in Flussnähe besteht ein enger hydraulischer Zusammenhang zwischen den Flüssen und dem Grundwasser. Ein wesentlicher Teil des geförderten Wassers stammt deshalb aus Uferfiltration – wie diese natürliche Filterung funktioniert, zeigt der nächste Schritt.

Ein Ersatz für die frühere Wassergewinnung im Anbaugebiet.
Früher wurde das Beregnungswasser über zahlreiche Brunnen direkt im Knoblauchsland gewonnen. Sinkende Grundwasserstände und die Belastung des Grundwassers machten langfristig eine andere Lösung notwendig. Mit der Beileitung aus dem Regnitztal konnte diese intensive Grundwasserentnahme weitgehend abgelöst werden.

Bis zu 600 Liter pro Sekunde.
Die Brunnenfassung ist für eine Förderleistung von bis zu 600 Litern pro Sekunde ausgelegt. Für die Wassergewinnung besteht eine wasserrechtliche Erlaubnis von bis zu 3,5 Millionen Kubikmetern pro Jahr. Über die DN-600-Hauptleitung gelangt das Wasser anschließend von Kapellenruh in das Versorgungsgebiet.

Die Brunnengalerie wird weiterentwickelt.
Auch die Wassergewinnung wird laufend an neue wasserwirtschaftliche Anforderungen angepasst. 2026 wird die bestehende Brunnengalerie um zusätzliche Brunnen erweitert. Dabei soll nicht mehr Wasser entnommen werden: Ziel ist vielmehr, die Förderung auf ein größeres Gewinnungsgebiet zu verteilen und die Wassergewinnung damit nachhaltiger und betriebssicherer aufzustellen.

Schritt 3 · Uferfiltrat

Natürlich gefiltert durch den Untergrund.

Das Beregnungswasser wird nicht direkt aus dem Fluss entnommen. Ein Teil des Flusswassers sickert in den Untergrund und strömt durch die sandigen und kiesigen Schichten des Talraums in Richtung der Brunnen.

Auf diesem Weg wird das Wasser auf natürliche Weise filtriert. Zusammen mit dem vorhandenen Grundwasser bildet es den Grundwasserbegleitstrom im Bereich von Rednitz, Pegnitz und Regnitz, aus dem die Brunnengalerie das Beregnungswasser gewinnt.

Beim Weg vom Fluss zum Brunnen durchströmt das Wasser die natürlichen Sand- und Kiesschichten des Untergrunds.
Wie Uferfiltration funktioniert

Vom Fluss in den Grundwasserleiter.
Flusswasser steht mit dem Grundwasser im angrenzenden Talraum in Verbindung. Wird aus einem ufernahen Brunnen Wasser gefördert, kann Wasser aus dem Flussbett in die wasserdurchlässigen Schichten des Untergrunds einströmen. Dieses Wasser wird als Uferfiltrat bezeichnet.

Sand und Kies wirken als natürlicher Filter.
Während der Untergrundpassage werden Schwebstoffe und Partikel zurückgehalten. Gleichzeitig finden an den Bodenoberflächen und durch Mikroorganismen natürliche Abbau- und Rückhalteprozesse statt. Dadurch verändert sich die Beschaffenheit des Wassers auf dem Weg zum Brunnen.

Uferfiltrat ist kein reines Flusswasser.
Im Untergrund vermischt sich das infiltrierte Flusswasser mit dem vorhandenen Grundwasser. Wie groß der jeweilige Anteil ist, hängt unter anderem von Wasserständen, Strömungsrichtung, Geologie und Förderbetrieb ab. Deshalb kann sich die Zusammensetzung auch im Laufe des Jahres verändern.

Ein wichtiger Beitrag zum Grundwasserschutz.
Mit der zentralen Gewinnung im Regnitztal wurde die frühere intensive Entnahme aus den tieferen Grundwasserstockwerken des Knoblauchslands weitgehend ersetzt. Dadurch werden die dortigen Grundwasservorräte geschont und insbesondere der für die Trinkwasserversorgung wichtige Benker Sandstein dauerhaft entlastet.

Schritt 4 · Speicherung & Verteilung

Gespeichert, gefördert, verteilt.

Nach der Gewinnung wird das Wasser in den Hochbehältern des Verbands zwischengespeichert. Von dort fördern sechs Druckpumpwerke das Beregnungswasser bedarfsgerecht in die einzelnen Versorgungsbereiche des Knoblauchslands.

Ein rund 150 Kilometer langes Druckrohrleitungsnetz bringt das Wasser bis in die landwirtschaftlichen Flächen. An rund 1.500 Hydranten kann es von den Betrieben für die Beregnung entnommen werden. Die Betriebszustände des Versorgungssystems werden zentral überwacht und gesteuert.

Speicher, Pumpwerke und Rohrleitungsnetz verteilen das Wasser bis zu den Entnahmestellen im Anbaugebiet.
Speicher, Pumpwerke & Leitungsnetz

Speicher gleichen den Wasserbedarf aus.
Die Hochbehälter dienen als Puffer zwischen der Wassergewinnung und dem wechselnden Bedarf im Beregnungsgebiet. Sie besitzen jeweils ein Fassungsvermögen von 6.000 Kubikmetern. Ihre Abdeckungen schützen das gespeicherte Wasser vor Verschmutzung und vermindern die Algenbildung.

Sechs Pumpwerke sorgen für den notwendigen Druck.
Von den Speichern aus fördern sechs Druckpumpwerke das Wasser in die verschiedenen Bereiche des Verbandsgebiets. Dabei stehen Förderleistungen von bis zu 1.200 Kubikmetern pro Stunde zur Verfügung.

Rund 150 Kilometer Leitungsnetz.
Über das weit verzweigte Druckrohrleitungsnetz wird das Wasser bis in die landwirtschaftlich genutzten Flächen transportiert. Rund 1.500 Hydranten bilden die Übergabepunkte, an denen die Betriebe das Beregnungswasser entnehmen können.

Zentral überwacht und gesteuert.
Die technischen Anlagen arbeiten als zusammenhängendes Versorgungssystem. Ein Prozessleitsystem ermöglicht die Überwachung und Steuerung der wesentlichen Betriebszustände – von den Speichern und Pumpwerken bis zur Verteilung im Leitungsnetz.

Beregnung auf dem Feld

Die passende Technik für jede Kultur.

Am Ende des Versorgungssystems steht die eigentliche Bewässerung der Kulturen. Im Knoblauchsland kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz. Welche Technik geeignet ist, hängt unter anderem von Kultur, Fläche, Boden und betrieblichen Voraussetzungen ab.

Am weitesten verbreitet

Rohrberegnung mit Kreisregnern

Die Rohrberegnung prägt große Teile des Freilandgemüsebaus im Knoblauchsland. Mobile Rohrleitungen führen das Wasser von den Entnahmestellen auf die Fläche, wo mehrere Kreisregner für eine gleichmäßige Verteilung sorgen.

Mobile Beregnungsmaschine

Rollomat mit Starkregner

Auch Rollomaten werden im Knoblauchsland eingesetzt. Auf einer Schlauchtrommel befindet sich ein langer PE-Schlauch, an dessen Ende ein Regnerwagen arbeitet. Während der Beregnung wird dieser langsam über die Fläche zur Maschine zurückgezogen.

Gezielte Wasserabgabe

Tropfbewässerung

Bei der Tropfbewässerung gelangt das Wasser über Tropfleitungen unmittelbar in den Pflanzen- und Wurzelbereich. Das Verfahren wird im Knoblauchsland ebenfalls eingesetzt und ermöglicht eine sehr gezielte Versorgung der Kulturen.

Die Wahl des Bewässerungsverfahrens muss immer an die jeweilige Kultur und die betrieblichen Gegebenheiten angepasst werden.

Geschützter Anbau

Präzise Bewässerung im Gewächshaus.

Gewächshausbewässerung ist kein eigenes Bewässerungsverfahren. Im geschützten Anbau des Knoblauchslands kommen insbesondere automatisierte Tropfbewässerung und eine gezielte Versorgung mit Wasser und Nährstoffen zum Einsatz.

Je nach Betrieb können dabei auch Regenwasser von den Gewächshausdächern gesammelt sowie überschüssiges Wasser aufgefangen, aufbereitet und erneut verwendet werden. Dadurch lässt sich die Versorgung besonders genau an den Bedarf der Pflanzen anpassen.