Der Wasserverband Knoblauchsland
Der Wasserverband Knoblauchsland ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Seit 1960 stellt er die sichere, nachhaltige und gerechte Wasserversorgung für den Gemüseanbau im Knoblauchsland sicher.
Aufgaben des Wasserverbandes
- Sicherung der Beregnungswasserversorgung für die Mitgliedsbetriebe
- Gewinnung, Speicherung und Verteilung des Wassers über das Verbandsnetz
- Betrieb, Wartung und Modernisierung der technischen Anlagen
- Gerechte und bedarfsgerechte Abgabe – ressourcenschonend und zukunftsorientiert
Anfänge des Gemüseanbaus
Bereits zur Mitte des 14. Jahrhunderts belegen erste schriftliche Quellen einen intensiven Anbau von Zwiebeln, Kraut und Erbsen im heutigen Knoblauchsland. Knoblauch selbst wird ausdrücklich in den 1380er-Jahren erwähnt und gab der Region ihren Namen – nicht, wie gelegentlich vermutet, ein gleichnamiger Familienname.
Erste urkundliche Erwähnung des Namens
Die Bezeichnung „Knoblauchsland“ erscheint erstmals offiziell im Jahr 1442, als der Nürnberger Rat im Vorfeld des Ersten Markgrafenkriegs die dort ansässigen Bauern in sogenannte Hauptmannschaften einteilte. Der Name war zu diesem Zeitpunkt bereits regional gebräuchlich und fest etabliert.
Mittelalter: Entstehung eines Versorgungsraums
Mit dem Wachstum der Reichsstadt Nürnberg entwickelte sich das Knoblauchsland bereits im Mittelalter zu einem der wichtigsten Versorgungsräume für frisches Gemüse. Die günstigen Böden ermöglichten intensiven Kraut-, Zwiebel- und Rübenanbau, während die Nähe zur Stadt kurze Transportwege zu den Nürnberger Märkten sicherstellte. Die landwirtschaftlichen Betriebe waren klein strukturiert, arbeitsintensiv und stark von Witterung und Wasserverfügbarkeit abhängig.
Bewässerung im Mittelalter und der frühen Neuzeit
Die Bewässerung der Felder erfolgte über Jahrhunderte ausschließlich mit einfachen Mitteln. Handbewässerung mit Eimern und Gießkannen, Zieh- und Schöpfbrunnen sowie das Sammeln von Regenwasser bestimmten den Alltag. Eine überbetriebliche oder technisch geregelte Wasserverteilung existierte nicht. In Trockenjahren führten diese begrenzten Möglichkeiten regelmäßig zu Ernteausfällen und wirtschaftlichen Verlusten.
19. Jahrhundert: Intensivierung und erste Technik
Mit dem starken Bevölkerungswachstum im 19. Jahrhundert stieg auch der Bedarf an frischem Gemüse erheblich. Der Gemüseanbau im Knoblauchsland wurde weiter intensiviert, erste mechanische Wasserpumpen und tiefere Brunnen kamen zum Einsatz. Dennoch blieb die Wasserversorgung uneinheitlich, kostenintensiv und unkoordiniert. Jeder Betrieb war weiterhin auf individuelle Lösungen angewiesen.
Frühes 20. Jahrhundert: Grenzen der Einzelbewässerung
Im frühen 20. Jahrhundert traten die strukturellen Grenzen der einzelbetrieblichen Bewässerung deutlich zutage. Größere Anbauflächen, steigender Wasserbedarf und mehrere ausgeprägte Trockenjahre, insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg und in den späten 1940er-Jahren, verschärften die Situation. Die Erkenntnis setzte sich durch, dass eine sichere Bewässerung nur gemeinschaftlich organisiert und technisch zentral gelöst werden konnte.
Vom Krisenjahr zur Verbandsgründung
Nach einem witterungsbedingt schwierigen Frühjahr 1952 mit Spätfrösten und Trockenheit wuchs im Knoblauchsland erneut die Sorge vor existenzbedrohenden Ernteausfällen. Die Erfahrungen früherer Katastrophenjahre machten deutlich, dass der Gemüsebau ohne gesicherte Wasserversorgung langfristig nicht überlebensfähig war.
Im Sommer 1952 wurden auf politischer und fachlicher Ebene erste entscheidende Impulse gesetzt. Nach Gesprächen im Bayerischen Landwirtschaftsministerium folgten Ortsbesichtigungen durch Ministerialbeamte, Wasserwirtschafts- und Finanzbehörden. Unter dem Leitgedanken „Sanierung des Knoblauchslandes“ wurde erstmals systematisch über technische, wirtschaftliche und rechtliche Lösungen beraten.
Gutachten des Wasserwirtschaftsamts Nürnberg (1953) zeigten, dass Wasser der entscheidende Mangelfaktor für den Gemüsebau war. Oberflächengewässer, Staubecken oder Abwässer erwiesen sich als ungeeignet, Tiefbrunnen als teuer und risikobehaftet. Gleichzeitig führte das Absinken des Grundwassers zu zunehmenden Nutzungskonflikten und behördlichen Einschränkungen bei Brunnenbohrungen.
In den folgenden Jahren prägten Versammlungen, Diskussionen und auch Konflikte den Weg zur Lösung. Einzelbetriebliche Ansätze scheiterten ebenso wie Versuche ohne begleitende Flurbereinigung. Erst lokale Initiativen – etwa in Wetzendorf – zeigten, dass gemeinschaftliche Bewässerung technisch und wirtschaftlich möglich war.
Ab 1959 verdichteten sich die Aktivitäten auf Behörden-, Verbands- und politischer Ebene. Ein gemeinsamer Ortstermin aller beteiligten Stellen führte zu einem grundlegenden Beschluss: Die Bewässerung des Knoblauchslandes soll als Gemeinschaftsunternehmen durchgeführt werden. Anfang 1960 lagen bereits Anmeldungen für rund 250 Hektar Bewässerungsfläche vor.
Parallel dazu wurden Fördermittel des Bundeswasserwirtschaftsfonds für den Start in Aussicht gestellt – noch bevor ein Verband formell gegründet war. Mit der Unterstützung der Regierung von Mittelfranken und der fachlichen Vorbereitung durch Wasserwirtschafts- und Landwirtschaftsbehörden wurde schließlich der Weg frei für die Gründung des Wasserverbandes Knoblauchsland.
„Der Wasserverband Knoblauchsland ist hiermit gegründet“
Die extrem trockenen Jahre 1959 und 1960 machten deutlich, dass der Gemüsebau im Knoblauchsland ohne eine gesicherte Wasserversorgung keine Zukunft hatte. Ernteausfälle, Wassermangel und sinkende Grundwasserstände bedrohten die Existenz vieler landwirtschaftlicher Betriebe.
Am 17. Mai 1960 schlossen sich rund 200 Landwirte zusammen und gründeten in Buch den Wasserverband Knoblauchsland. Mit der einstimmigen Verabschiedung der Satzung wurde der Verband als Körperschaft des öffentlichen Rechts handlungsfähig.
Ziel war es, die vorhandenen Wasserressourcen gemeinschaftlich zu erschließen und gerecht zu verteilen. Bereits unmittelbar nach der Gründung begannen die Vorbereitungen für den ersten Bauabschnitt: Brunnenbohrungen, Beregnungsgruppen und Speicheranlagen wurden geplant, staatliche Fördermittel zugesagt. Insgesamt sollten rund 300 Hektar Gemüseflächen bewässert werden.
Die zeitgenössische Presse begleitete diese Entwicklung intensiv und sprach von einer „entscheidenden Stunde“ für das Knoblauchsland. Die Gründung des Wasserverbandes markierte den Wendepunkt hin zu Ertragssicherheit, Krisenfestigkeit und dem langfristigen Erhalt des Knoblauchslands als „Gemüsegarten“ für Nürnberg, Fürth und Erlangen.
Aufbau und Erweiterung der Bewässerung
In mehreren Bauabschnitten wurde ab 1960 ein großräumiges Bewässerungssystem errichtet. Bereits in der frühen Phase entstanden Beregnungsanlagen mit Brunnen und teils Speicherbecken.
Mit der Entwicklung des Gemüseanbaus stieg der Wasserbedarf – Ausbau und Erweiterungen wurden notwendig, um die Versorgung der Flächen sicherzustellen.
Die Infrastruktur wurde über Jahre hinweg schrittweise ergänzt und an den Bedarf angepasst.
Mehr erfahrenSanierung und Modernisierung
Nach vielen Jahren Betrieb waren wesentliche Teile der Anlagen sanierungsbedürftig. Speicherbecken wurden abgedichtet, Pumpentechnik erneuert und Rohrleitungen modernisiert.
Diese Maßnahmen sicherten die Leistungsfähigkeit der Wasserversorgung und schufen die Grundlage für die weitere Weiterentwicklung des Systems.
Ziel war ein dauerhaft zuverlässiger Betrieb sowie eine nachhaltige, wirtschaftliche Infrastruktur.
Mehr erfahrenBeileitung aus dem Regnitztal
Wiederkehrende Trockenperioden und sinkende Grundwasserstände machten neue Wege erforderlich. Ab 1999 wurde das Projekt zur Beileitung von Beregnungswasser aus dem Regnitztal umgesetzt.
Seit 2005 steht dem Knoblauchsland Uferfiltrat der Rednitz als sichere und umweltschonende Wasserquelle zur Verfügung. Die Entnahme von Grundwasser im Anbaugebiet konnte dadurch ersetzt werden.
Dieses Projekt gilt als Meilenstein für Versorgungssicherheit und Ressourcenschutz.
Mehr erfahrenDer Verband heute
Heute steht der Wasserverband Knoblauchsland für eine sichere, nachhaltige und zukunftsorientierte Wasserversorgung. Moderne Technik und kontinuierliche Weiterentwicklung prägen die Arbeit des Verbandes.
Bewässerung wird zunehmend bedarfsgerecht geplant und unterstützt – mit dem Ziel, Wasser effizient einzusetzen und die Versorgung langfristig zu sichern.
Digitale Systeme und neue Ansätze schaffen die Grundlage, auch künftig auf klimatische Herausforderungen reagieren zu können.
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